Erfahrung heißt gar nichts.

„Training on the job“ ist in der Unternehmenspraxis der wichtigste Teil der Ausbildung: Man legt einfach los mit der Aufgabe, die es zu erlernen gilt. Währenddessen komme man schon nach und nach darauf, wie es läuft. In der Praxis funktioniert das gut – sonst hätte es sich ja auch nicht durchgesetzt – ich will aber behaupten, dass der wichtigste Schritt in einer Zwischenstufe liegt.

Im Sport und bei anderen körperlichen Routinetätigkeiten mag wirklich unmittelbar gelten, dass Übung den Meister macht. Wer regelmäßig Speerwerfen übt, wird dadurch immer besser und besser. Für akademische Tätigkeiten ist der Zusammenhang aber nicht so einfach, allein vom Tun wird da noch niemand besser – man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen (Tucholsky). Der Schlüssel zur Selbstvervollkommnung liegt erst in der Reflektion über das, was man tut. Nur mit der Analyse dessen, was passiert, und im Nachdenken, wie man es noch besser machen könne, entwickelt man sich weiter. Deswegen ist auch Feedback so wichtig. Als Hilfsmittel der Analyse durch Dritte und als Anstoß zur eigenen Reflektion.

Wenn aber die eigene Reflektion das wichtigste Mittel zur eigenen Weiterentwicklung ist, bin ich doch überrascht, wie wenig dieser Prozess von Organisationen typischerweise unterstützt und forciert wird. Ich las in einem Roman mit Handlungsort China, dass der Befehlshaber seine Generäle regelmäßig Essays schreiben ließ. So weit muss man natürlich nicht gehen, auch wenn ich nicht gänzlich abgeneigt bin. Aber etwas mehr kann die Organisation da schon tun.

Die Schwerkraft ist schuld!

Schon mehrfach habe ich Menschen als Erklärung für das Scheitern von Projekten so oder so ähnlich sagen hören: „Dann sind wir in die Mühlen der Firmenpolitik geraten und dann war es vorbei.“

Ich finde das eine ziemlich merkwürdige Rechtfertigung. Es ist ungefähr so, als würden die Verantwortlichen nach einem Flugzeugabsturz darauf verweisen, das Unglück sei eben von der Schwerkraft verursacht worden. Auch wenn das zweifellos richtig ist, würde doch niemand akzeptieren, dass die Untersuchung mit dieser Erklärung endet. Es ist eben die Natur des Fliegens, der Schwerkraft zu trotzen. Erklärt werden muss, welches Ausnahmesituation, welches Versagen jetzt dazu geführt hat, dass dies nicht mehr wie vorgesehen funktioniert hat.

Ebenso verhält es sich mit der Firmenpolitik. Sie existiert einfach, ob der einzelne das möchte oder nicht – sie ist die Schwerkraft innerhalb des Konzerns, sie ist seine Natur. Der Job des Managers besteht ganz wesentlich darin, in ihr zu wirken. Wer sich darauf beruft, dass sie einfach plötzlich da gewesen sei oder sich spontan verändert habe und so das Scheitern verursacht habe, verkennt entweder gravierend die Grundvoraussetzungen seines Wirkens oder will der Debatte über die wahren Gründe des Scheiterns ausweichen.

Die Guillotine soll beweisen, wie ernst es gemeint ist mit der Agilität

Bezogen auf die Agilitätsdebatte habe ich drei Vorprägungen: Erstens war ich dabei, als der in der Wüste der Dornbusch brannte. Anfang der 2000er, als sich Agilitätskonzept entwickelt wurde und sich verbreitete, war ich Webentwickler und Teil der Community in der diese Ansätze nicht nur als innovativ, sondern als große Befreiung gefeiert wurden. Weiterlesen...

„Culture eats Strategy for Breakfast.“

„Culture eats strategy for breakfast.“ Dieser Satz wird Peter Drucker zugeschrieben. Google liefert dazu über 100.000 Ergebnisse – das qualifiziert wahrscheinlich schon zum Allgemeinplatz. Er soll ein übliches Problem bei der Erarbeitung von Unternehmensstrategien pointiert aufrufen. Ich will ihn einmal im Detail diskutieren. Weiterlesen...

Irgendeine Transformation ist immer

Irgendeine Transformation ist immer. Veränderung und Anpassung ist die Essenz des Kapitalismus. Doch im realen Unternehmen gelingt die ideologische Fundierung auch unter wohlklingenden Titel nicht oder nur schleppend. Was sind die Gründe für das Scheitern? Weiterlesen...

Handelsgewinne

Tom Sawyer muss den Zaun streichen, darauf hat er jedoch keine Lust. Mit einem Trick bringt er die anderen dazu, ihm dies abzunehmen. Sie bezahlen ihn sogar dafür. „Wäre die Farbe nicht ausgegangen, hätte Tom sämtliche Jungen des Ortes bankrott gemacht.“ In meiner Erinnerung gab es hier ein klares Gefälle: Auf der einen Seite der gerissene Tom Sawyer und auf der anderen die einfältigen anderen Kinder, die sich so einfach austricksen lassen.

Ich glaube, ich war da im Irrtum: Die anderen Kinder sind deshalb bereit zu bezahlen, weil sie wirklich Spaß am Streichen des Zaunes haben, ziemlich großen sogar. Sie sind nicht einfältig, sie sind in dieser Geschichte die Gewinner. Das Gefälle ist künstlich hinzuinterpretiert. Tom Sawyer ist nicht gerissen, er ist weise: Er erschafft aus dem Nichts etwas Wertvolles.

Das Internet vs. Social Media

Es muss 1998 oder 1999 gewesen sein, als ich das erste Mal am eigenen PC das Internet erkunden konnte. Damals ein anarchischer Raum, der schon allein durch seine sofort sichtbare Unvollkommenheit jeden dazu eingeladen hat, selbst sein Mögliches dazu beizutragen. Ein paar E-Mails an Webmaster hinter Websites mit ähnlichen Themen, zu gegenseitiger Verlinkung einladend, und schon war man drin.

Auch Oberflächlichkeiten (dem Trend blinkenden GIFs zum Trotz) waren nur von peripherer Bedeutung, das Internet war ein Medium zum Austausch von verlinkten und verlinkenden Fließtexten. Im Mittelpunkt standen Informationen. Es war herrschaftsfrei, jeder konnte mitmachen, ohne sich irgendwelchen Regeln und Konventionen fügen zu müssen, die sich nicht zwingend aus der zugrungeliegenden Technik ergaben.

Heute, 2017, hat sich das Rad weitergedreht, jetzt sind wir bei informationsarmen, maximal sprücheklopfenden Kurznachrichten (Twitter), komplett standardisierten Selbstdarstellungen (Facebook) und beinahe vollständiger Textfreiheit (Instagram) angekommen, das Ganze auch noch der vollständigen Kontrolle der jeweiligen Plattformbetreiber unterworfen. Social Media ist das Gegenteil des Internets.

Siezen im mittleren Management

Mit dem Duzen und Siezen ist das so eine Sache. Manchmal zieht schon die schlichte Frage, wer wem denn das „Du“ anbieten darf, höchst wortakrobatische Tänze nach sich.

Je höher der Gegenüber in der Hierarchie steht, desto wahrscheinlicher wird das „Sie“. Eine Ausnahme: Den einen an der Spitze, denjenigen, der ganz oben steht, darf man völlig ungehemmt duzen. „Vater, der Du bist im Himmel.“

Mitigation ins Glück

Das Business-Deutsch ist reich an Wörtern, die wenig ausdrücken und viel verschleiern. Das schönste unter ihnen: mitigieren.

Ein Problem wird mitigieren. Selbst dem unbedarftesten Leser ist sofort klar: Es wird nicht gelöst, sonst stünde ja geschrieben, dass es gelöst wird. Ignoriert wird es aber auch nicht, einen solchen Gedanken lässt dieser lateinische Koloss nicht zu. Gesprochen klingt das Wort fast noch bedeutsamer als sich geschrieben liest.

Fast noch schöner ist die Nominalisierung: Mitigation. Dann ist auch noch weg, wer eigentlich mitigiert, was mitigiert wird und wann es denn passiert.

Master neben dem Beruf an der FernUniversität Hagen: Eindrücke und Tipps

Logo der Universität HagenNachdem ich gerade eben den Zeugnisantrag für den M.Sc. Wirtschaftswissenschaft ausgefüllt habe, ist es wahrscheinlich an der Zeit ein Resümee zu ziehen und vielleicht den einen oder andere nützlichen Tipp zu hinterlassen für Studenten, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich es bis eben war: Solche mit dem Ziel, den Master neben einem Vollzeit ausgeübten Beruf zu erwerben. Weiterlesen...

Drei Reden als AStA-Vorsitzender an der Universität Bonn

Logo der Universität BonnHier die Skripte zu drei Reden, die ich als Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Bonn gehalten habe: Weiterlesen...

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