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2019

Aporie des teuren Hochgenusses

Es gibt von einem selbst ausgehende Handlungen bei denen man, egal wie die Sache endet, nur verlieren kann. Offen im Moment der Ausführung ist ausschließlich, wie sehr man verliert.

Eine solche Handlung ist zum Beispiel, sich wider aller Hemmungen irgendwann doch einmal eine sehr, sehr teure Flasche Wein zu gönnen. Noch am wenigsten verliert man, wenn diese Flasche Wein eine Enttäuschung ist. Man hat dann einige hundert Euro in den Sand gesetzt für ein Vergnügen, das man deutlich billiger auch hätte haben können. Wirklich zur Erkenntnis gelangt, ob teurer Wein sich lohnt, ist man auch nicht. Es könnte ja auch gerade diese eine Flasche – und nur diese eine – so enttäuschend sein, alle anderen teuren Weine sind vielleicht doch Gottesnektar.

Doch es geht noch schlimmer: Was ist, wenn der teure Wein doch so gut ist, wie es sein Preis erwarten lässt? Dann ist man ruiniert. Denn ab sofort wird kein günstigerer Wein mehr munden. Man muss jetzt wirklich Geld verdienen und ansonsten sparsam leben, um sich regelmäßig den fast unbezahlbaren Genuss zu verschaffen. Und wer weiß: Vielleicht sind noch viel teurerer Weine einfach noch besser? Vom Glück ist man auf jeden Fall jetzt noch weiter entfernt.


Die Notwendigkeit der Rede im Unternehmen

Über die Notwendigkeit der Rede als Überzeugungsmittel in einer modernen Unternehmenskultur
Führungskräfte in Unternehmen haben schon immer viel gesprochen – zu viel wird mancher sagen. Daran wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht viel ändern. Doch der Charakter des Gesprochenen wird da, wo es mit der Modernisierung ernst gemeint ist, ein anderer sein. Wo es vorher um das Entscheiden und das Mitteilen von Entscheidungen ging, geht es jetzt um das Überzeugen – das erfordert eine völlig andere Kommunikation. Und das Mittel des Überzeugens schlechthin ist die Rede.

Einer der merkwürdigsten Momente in Konzernmeetings ist folgender: Man ist eine oder zwei Minuten über die vereinbarten Zeit, alle Eingeladenen sitzen schon angespannt auf ihren Plätzen, nur einer fehlt: Der ranghöchste Manager. Und ohne ihn kann auf keinen Fall begonnen werden. Allenfalls wird ein Tanz aufgeführt, der den Start des Meetings bloß nachahmt, ihn aber auf keinen Fall vorwegnimmt. Wenn der wichtigste Teilnehmer dann doch verspätet erscheint, geht es so oder so, ohne viel Aufheben darum zu machen, noch einmal von vorne los. Denn dem Ranghöchsten stehen Eröffnung, Moderation und Schlusswort zu.

Kritik an Powerpoint: Problematische Dominanz

Ein kritischer Blick auf die mit der Nutzung von Powerpoint einhergehenden Kommunikationseinschränkungen
Das Deckblatt einer Präsentation. Nicht einmal zu einer inhaltlichen Überschrift hat es gereicht.Inhalt und Form von Kommunikation bedingen sich gegenseitig. Das heißt: Das gewählte Kommunikationsformat beeinflusst auch die Inhalte, die kommuniziert werden. Informationsvermittlung in Unternehmen erfolgt primär in der Form von Powerpoint-Präsentationen. Und das beeinflusst den transportierten und transportierbaren Inhalt erheblich.

Eigentlich war Powerpoint einmal als Tool zur Unterstützung von Präsentationen gedacht: Einem Vortragenden sollte ein digitales Tool an die Hand gegeben werden, mit dem auf einfache Weise das parallel Gesprochene visualisiert werden kann, im Wesentlichen in Form von Diagrammen, Grafiken und zusammenfassenden Bulletpoint-Listen. Im ursprünglichen Kontext steht die Präsentation am Ende des Schaffensprozesses: Nachdem man ein Thema inhaltlich bearbeitet, verstanden, womöglich – universitär gedacht – schriftlich ausgearbeitet hat, soll die Erkenntnis jetzt auch noch bewusst vereinfacht vermittelt werden. Das ist dann der Moment – bisher war an Präsentationen mangels Substanz ja noch gar nicht zu denken – in dem Powerpoint das erste Mal angeklickt wird. Die Phase des inhaltlichen Arbeitens ist dann bereits abgeschlossen, jetzt wird ausschließlich vermittelt. Beide Phasen sind grundsätzlich erst einmal scharf getrennt.

Kategorien: Allgemeine Betrachtungen | Technologie | Unternehmenskultur
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