Kritik an Powerpoint: Problematische Dominanz

Ein kritischer Blick auf die mit der Nutzung von Powerpoint einhergehenden Kommunikationseinschränkungen
Das Deckblatt einer Präsentation. Nicht einmal zu einer inhaltlichen Überschrift hat es gereicht.Inhalt und Form von Kommunikation bedingen sich gegenseitig. Das heißt: Das gewählte Kommunikationsformat beeinflusst auch die Inhalte, die kommuniziert werden. Informationsvermittlung in Unternehmen erfolgt primär in der Form von Powerpoint-Präsentationen. Und das beeinflusst den transportierten und transportierbaren Inhalt erheblich.

Eigentlich war Powerpoint einmal als Tool zur Unterstützung von Präsentationen gedacht: Einem Vortragenden sollte ein digitales Tool an die Hand gegeben werden, mit dem auf einfache Weise das parallel Gesprochene visualisiert werden kann, im Wesentlichen in Form von Diagrammen, Grafiken und zusammenfassenden Bulletpoint-Listen. Im ursprünglichen Kontext steht die Präsentation am Ende des Schaffensprozesses: Nachdem man ein Thema inhaltlich bearbeitet, verstanden, womöglich – universitär gedacht – schriftlich ausgearbeitet hat, soll die Erkenntnis jetzt auch noch bewusst vereinfacht vermittelt werden. Das ist dann der Moment – bisher war an Präsentationen mangels Substanz ja noch gar nicht zu denken – in dem Powerpoint das erste Mal angeklickt wird. Die Phase des inhaltlichen Arbeitens ist dann bereits abgeschlossen, jetzt wird ausschließlich vermittelt. Beide Phasen sind grundsätzlich erst einmal scharf getrennt.

Im Unternehmenskontext läuft das anders. Powerpoint ist die primäre Ausdrucksform. Der bürokratisch tätige Manager, der versucht, die Entscheidungsprozesse des Unternehmens nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen, arbeitet von Anfang an daraufhin, eindrucksvolle Powerpoint-Präsentationen zu erzeugen. Denn alle relevanten Gremien erwarten genau das: Eine beschlussfähige Präsentation. Auch wo immer Einfluss genommen wird, werden viele Folien umfassende Powerpoint-Präsentationen versendet. Nicht selten, ohne dass diese überhaupt jemals präsentiert werden. Und auch fast jedes Meeting besteht im Wesentlichen darin, dass unterschiedliche Vortragende Powerpoint-Orgien abspulen. Powerpoint ist die dominante Kommunikationsform in Konzernen. Der ganze Schaffensprozess – anders als für die ursprünglichen Verwendung von Powerpoint angenommen – wird davon geprägt. Keiner im Unternehmen kann sich dem entziehen und für den einzelnen macht der Versuch auch gar keinen Sinn: Wenn beruflicher Erfolg von der Performanz abhängt, also davon, nicht nur etwas zu können, sondern es auch in der richtigen Form und zur richtigen Zeit zu zeigen, dann ist die Teilnahme am PowerPoint-Spiel wesentlicher Teil der Performanz.

Problematische Konsequenzen

Gleichwohl ist die mit Zweckentfremdung einhergehende Dominanz von Powerpoint aus unterschiedlichen Gründen höchst problematisch:

Widerstand?

Es gibt durchaus Widerstand gegen diese Verpowerpointisierung. Sowohl Steve Jobs als auch Jeff Bezos galten und gelten als radikale Powerpoint-Verächter. Von Steve Job ist die Aussage überliefert, dass wer wirklich etwas zu sagen habe, auch ohne Powerpoint auskäme. Jeff Bezos lässt in Vorstandssitzungen keine Powerpoint-Folien zu, stattdessen würden Fließtexte erwartet.

Ob das mehr oder weniger als Design Thinking zum Unternehmenserfolg von Apple und Amazon beigetragen hat, mag ich nicht beurteilen. Vermuten tue ich aber schon, dass erfolgreicher ist, wer seine Kommunikationsformate regelmäßig kritisch reflektiert – und als Konsequenz daraus würde wahrscheinlich etwas weniger Powerpoint eingesetzt werden.

Kategorie: Allgemeine Betrachtungen
Vom 18.03.2019 um 23:28 Uhr

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