Startseite
Über mich
Mein Lebenslauf
Meine Dissertation
Meine Texte
Blogansicht
Kontakt
Einstellungen
Suche

Metaebene vs. Demokratie

Demokratie heißt, dass Menschen mit unterschiedlichen Interessen in einem mehr oder minder geordneten Verfahren miteinander aushandeln, was dem Gemeinwohl entspricht. Der Prozess der Mehrheitsbildung und Kompromissfindung ist kompliziert und das Ergebnis selten vorhersehbar, der Ausgangspunkt aber ist geradezu banal: Man artikuliert seine Interessen und bringt sich so in den demokratischen Prozess ein.

Seine Interessen zu artikulieren, hat allerdings nicht den besten Leumund. Der gemeine Akademiker will zeigen, wieviel mehr er von der Welt versteht. Deswegen redet er nicht davon, was er persönlich gut oder schlecht findet, er geht auf die Metaebene und gibt seine Einschätzung des politischen Prozesses zum besten, »Politics« statt »Policy«: Welchem politischen Akteur nützt die Diskussion? Inwiefern würden durch sie »die Bürger« Vertrauen in die Demokratie verlieren oder gewinnen? Welche verheimlichte Absicht verbirgt sich hinter einem Vorschlag?

Natürlich wirkt man mit Meinungen zu solchen Fragen wirklich sehr viel klüger auf seine Zuhörer, dafür hat man ja auch Politikwissenschaften studiert. Allein, der politische Prozess geht an diesem Wechsel auf die Metaebene zugrunde. Eine Diskussion dazu ist nicht nur langatmig, sie ist auch völlig unproduktiv. Auf diesem Weg lässt sich nicht erarbeiten, was dem Gemeinwohl entspricht, es ist ja auch gar nicht mehr das Ziel. Alles, was daraus resultiert, ist eine große Lähmung – der Fluch der gegenwärtigen deutschen Politik.

Geschrieben im Juni 2026 | Kategorie: Betrachtungen